
Dieses Buch werde ich heimlich in die Belletristik-Abteilung schummeln. Eigentlich ein Kinderbuch, ab 11 Jahren. Diese Geschichte umfasst so viele Themen und ist so poetisch, darum wünsche ich mir, dass die klassische Einteilung in Kinder-/ Jugend-/ Erwachsenenliteratur einfach mal aufgehoben wird. Schließlich waren auch Dickens´ Helden nicht immer Erwachsene! Mal sehen, was meine KollegInnen sagen...
Nun aber zum Buch und zur Autorin: Lauren Wolk hat schon mit "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" (nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis) und "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" großartige und empfindsame Kinderromane vorgelegt, die die LeserIn mühelos in andere Zeiten und andere Leben entführen.
In "Echo Mountain" versetzt uns die Autorin in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Familie der 12-jährigen Elli lebt, nachdem sie durch die Weltwirtschaftskrise und die darauffolgende Große Depression alles verloren hat, in einem selbst erbauten Blockhaus auf dem Echo Mountain in Maine. Sie sind Selbstversorger und an das frühere Leben in der Stadt erinnert noch die Mandoline der Mutter, einer Musiklehrerin und die kunstvoll gearbeiteten Kleidungsstücke des Vaters, eines Schneiders.
Elli hat sich mit dem neuen Leben nicht nur arrangiert, sie liebt das Leben auf dem Berg, in der rauen Natur, in den Wäldern. Auch ihr kleiner Bruder und ihr Vater, anders als Ellis Mutter und große Schwester, trauern der Stadt nicht nach.
Die Erzählung setzt ein, nachdem Ellis Vater durch einen beim Fällen herabfallenden Baum schwer verletzt wird. Die Familie versucht alles, den seit Monaten im Koma liegenden Vater wieder ins Leben zurückzuholen. Elli hat da kreative Ideen, zumal sie für den Unfall verantwortlich gemacht wird. Sie ist überhaupt eine sehr eigenwillige und starke Protaganistin, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Und das wird Ihnen und Euch bestimmt auch so gehen! Also: Auf zum Echo Mountain vor fast 100 Jahren!
Übersetzung: Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Roman ab 11 Jahren
Hanser, 17,00 €